Die FTI Berlin


Für Liebhaber und Wertschätzer

Manchmal muss man ein Schiff nicht neu erfinden. Man muss nur herausfinden, wer mit ihm reisen möchte.


2011 kam die Berlin zur FTI Markenfamilie. Ein ehemaliges "Traumschiff", inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen, mit gerade einmal rund 230 Passagieren an Bord. Kein schwimmender Freizeitpark, keine spektakuläre neue Kreuzfahrtwelt – sondern eine charmante Lady mit Patina, überschaubarer Größe und einer großartigen Crew.


Zunächst wurde versucht, sie kommunikativ wie ein großes Kreuzfahrtschiff zu behandeln. Doch so recht wollte die Berlin damit nicht in Fahrt kommen.


Irgendwann landete die Aufgabe bei uns: dem ebenso kleinen, eigenwilligen und schlagkräftigen Creation-Team der FTI Group.


Und damit änderte sich die Perspektive.


Wir versuchten nicht länger, aus der Berlin etwas zu machen, das sie nicht war. Wir begannen, genau das wertzuschätzen, was sie von den großen Schiffen unterschied.


Ihre Überschaubarkeit. Ihre Persönlichkeit. Die Nähe zur Crew. Ihren leicht abgelebten Charme. Das Gefühl, nicht eine Nummer unter Tausenden zu sein. Und nicht zuletzt die Möglichkeit, mit einem kleinen Schiff Orte anzulaufen und Reiseerlebnisse zu schaffen, die sich von der Welt der großen Kreuzfahrtschiffe unterschieden.


Gemeinsam mit dem Fotografen Reinhard Frick und wechselnden Kolleginnen und Kollegen aus Creation und Kreuzfahrt entwickelte sich daraus über viele Jahre eine neue kommunikative Welt für das Schiff.


Es ging dabei um weit mehr als eine einzelne Kampagne. Fotografie, Gestaltung, Sprache und die unterschiedlichen Kommunikationsmittel begannen, dieselbe Geschichte zu erzählen.


Und vor allem änderte sich die Frage.


Nicht mehr:

Wie können wir die Berlin wie ein attraktives Kreuzfahrtschiff aussehen lassen?


Sondern:

Für wen ist genau dieses Schiff das richtige?


Die Antwort wurde schließlich zur Positionierung:


Die FTI Berlin – für Liebhaber und Wertschätzer.


Damit musste die Berlin nicht mehr mit den großen Schiffen konkurrieren. Sie durfte etwas anderes sein.


Ein Schiff für Menschen, die Persönlichkeit der Perfektion vorziehen. Die Atmosphäre, Begegnung und besondere Routen schätzen. Und die gerade im Unvollkommenen etwas entdecken können, das auf den großen, makellosen Schiffen längst verloren gegangen ist.


Für mich wurde die Berlin damit zu einer Arbeit, die meine eigene Arbeitsweise entscheidend geprägt und verfeinert hat:


Nicht zuerst fragen, wie man etwas besser verkaufen kann. Erst einmal genau hinsehen, was wirklich da ist.


Denn manchmal liegt die stärkste Idee bereits vor einem.


Man muss sie nur erkennen, freilegen – und die Menschen finden, die ihren Wert ebenfalls sehen.


Fünf Tage am Nil


Oder: Was passiert, wenn es keinen Plan gibt


Manchmal beginnt eine gute Geschichte mit einem Storyboard.

Und manchmal damit, dass man überhaupt keines hat.


Es war August. Ägypten befand sich touristisch in einer schwierigen Zeit. Nach dem Anschlag in Luxor blieben viele Urlauber aus, in den Ferienorten herrschte Krise und zahlreiche Crews der Nilkreuzfahrtschiffe waren zur Untätigkeit verurteilt.


Und ausgerechnet jetzt sollten wir zeigen, wie schön eine Familienkreuzfahrt auf dem Nil sein konnte.


Viel Zeit zur Vorbereitung gab es nicht.


Also machten wir uns auf den Weg: Reinhard Frick und ich als eingespieltes Kreativ- und Fototeam, meine kongeniale und unerschrockene Kollegin Eva aus dem Produktbereich und drei unglaublich kreative Reiseleiter vor Ort.


Dazu kam eine international erfahrene Familie, die sich spontan auf unser Abenteuer einließ.


Und sie brachte Timo mit.


Ein kleiner Junge – und, wie sich schnell herausstellen sollte, unser Storyjoker schlechthin.


Nicht inszenieren. Entdecken.


Wir hatten fünf Tage.


Kein ausgearbeitetes Storyboard, keine bis ins Detail vorbereitete Inszenierung.

Dafür einen Fluss, großartige Menschen vor Ort und die Freiheit, aufmerksam zu beobachten,

was sich aus der Reise selbst entwickelte.


Also machten wir genau das.


Wir fuhren mit einem kleinen Segler über den Nil, reisten auf einem Boutiqueschiff mit kolonialem Charme

und köstlichem Essen, stiegen in einen Heißluftballon und sahen Ägypten von oben.


Wir besuchten das Tal der Könige zu einer Zeit, in der kaum Touristen im Land waren.

Orte, an denen sich sonst Menschen drängen, gehörten plötzlich beinahe uns allein.


Und mittendrin Timo.


Durch seine Augen wurde aus einer touristischen Produktbeschreibung eine Entdeckungsreise. Monumente wurden riesige Wunderlandschaften, Boote zu Abenteuerspielplätzen und Begegnungen mit Menschen zu kleinen Geschichten.


Unsere Aufgabe bestand weniger darin, Situationen herzustellen, als darin, sie zu erkennen.


Wo passiert gerade etwas?

Wo entsteht eine Begegnung?

Wo zeigt sich das Bild, das wir nicht planen konnten?


Dabei wurde das Team vor Ort zu einem wesentlichen Teil der Produktion.

Produktkenntnis, Ortskenntnis, Improvisation, Fotografie und Gestaltung arbeiteten nicht nacheinander, sondern gleichzeitig.


Jeder brachte etwas ein. Eine Idee führte zur nächsten.


So entstand während fünf intensiver Tage am und auf dem Nil Stück für Stück die Geschichte einer Reise, die wir vorher selbst noch nicht kannten.



Grande Finale in Assuan


Die Reise führte uns schließlich nach Assuan und ins legendäre Old Cataract Hotel.


Nach Hitze, Nil, Segelbooten, Tempeln, Ballonfahrt, improvisierten Ideen und unzähligen Bildern bekam unsere kleine Reisegeschichte dort ihr Grande Finale.


Aber die vielleicht passendste Schlussszene fand nicht vor einer großen ägyptischen Kulisse statt.


Zum Abschied saßen wir mit der Crew zusammen.


Eine Wasserpfeife machte die Runde.


Und offenbar hatte dieses besondere Exemplar noch eine kleine Überraschung parat:


extra bumm.


Ein würdiger Abspann für fünf Tage, in denen kaum etwas nach Plan lief – weil es gar keinen gab.


Was davon geblieben ist


Diese Reise hat mir eine andere Seite kreativer Arbeit gezeigt.


Gute Vorbereitung ist wertvoll. Aber ebenso wichtig ist die Fähigkeit, einen Plan loszulassen, aufmerksam zu bleiben und das Material zu erkennen, das einem die Wirklichkeit anbietet.


Manchmal muss man eine Geschichte entwickeln.

Und manchmal ist sie längst da. Man muss schnell genug sein, sie zu bemerken.


    Art Direction bei Ruff Advertising


    Schöffel – Von der ersten Idee bis zur Druckabnahme


    Manche Projekte bleiben nicht deshalb im Gedächtnis, weil sie besonders groß waren. Sondern weil die Art des Zusammenarbeitens stimmte.


    Schöffel war beides.


    Meine Arbeit für die Marke begann bei Ruff Advertising unter der Leitung von Gerhard Ruff – einem ebenso warmherzigen wie manchmal etwas roughen Agenturchef. Der Klang seines Namens war gelegentlich durchaus Programm. Die Agentur gibt es längst nicht mehr, unsere Freundschaft schon.


    Als Art Directorin durfte ich zahlreiche Schöffel-Kampagnen über den gesamten Entstehungsprozess begleiten: von der ersten Idee und der Entwicklung der Story über die Präsentation gemeinsam mit dem Kunden bis zur Organisation und Betreuung der Shootings und schließlich zur Druckabnahme.


    Dazwischen lag das Schönste: die eigentliche Entstehung.


    Ich arbeitete mit Fotografen wie Thomas Ulrich, Röbi Bösch und Reinhard Frick. Es ging hinaus in die Berge, an echte Orte und in Situationen, in denen eine Kampagne nicht einfach am Schreibtisch gebaut werden konnte. Ideen mussten draußen funktionieren. Menschen, Landschaft, Produkt, Fotografie und Geschichte mussten zusammenpassen.


    Und auch hier war Arbeit nie nur Arbeit.


    Da waren die Stunden mit dem kleinen Schöffel-Team im Garten der Provino-Villa oder auf einer Berghütte nach einem Shooting. Der Agenturhund mittendrin. Und die damals noch kleine Marie, die inzwischen selbst Mutter einer kleinen Tochter ist.


    Es war eine Form von Zusammenarbeit, bei der Professionalität und Menschlichkeit keine Gegensätze waren.



    Meine Rolle


    Als Art Directorin war ich nicht für einen einzelnen Ausschnitt zuständig, sondern für den Zusammenhang:


    Idee → Story → Präsentation → Shooting → Gestaltung → Produktion.


    Ich konnte eine Idee entwickeln, sie gemeinsam mit anderen weiterdenken, dem Kunden vermitteln, ihre Umsetzung begleiten und dafür sorgen, dass am Ende tatsächlich das entstand, was am Anfang vielleicht nur als Gedanke im Raum gestanden hatte.


    Genau diese Verbindung liegt mir bis heute.


    Ich möchte nicht lediglich etwas „hübsch machen“, nachdem alle wichtigen Entscheidungen längst gefallen sind. Mich interessiert der Weg vom noch unfertigen Gedanken bis zu einer Geschichte, einem Bild oder einem Erlebnis, das Menschen erreicht.



    Und dann war da noch Reinhard


    Unter den Fotografen, mit denen ich für Schöffel arbeitete, war Reinhard Frick.

    Damals war er zunächst ein großartiger Fotograf und Arbeitspartner.

    Später wurde er mein Lebenspartner.

    So wurde aus einer beruflichen Zusammenarbeit ganz nebenbei eine der wichtigsten Begegnungen meines Lebens.

    Was davon geblieben ist

    Die Schöffel-Jahre haben mir früh gezeigt, unter welchen Bedingungen meine beste Arbeit entsteht:


    Vertrauen. Eigenverantwortung. Gute Leute. Gemeinsame Ideen. Raus aus dem Büro. Und die Freiheit, eine Geschichte vom ersten Gedanken bis zum fertigen Ergebnis begleiten zu dürfen.


    Vielleicht war ich schon damals eine Wegbereiterin.


    Ich hatte nur noch kein Wort dafür.


    Hama Lohrmann und die Windesser Dokumentationsfilme –
    Wenn aus Rohschnitt Resonanz wird


    Projektpartner seit 2011


    Manche Zusammenarbeiten beginnen mit einem Auftrag.

    Andere beginnen damit, dass der Auftrag gar nicht stattfindet.


    Hama Lohrmann lernte ich 2011 durch die Vermittlung eines befreundeten Künstlers kennen. Eigentlich sollte ich sein Fotobuch gestalten. Am Ende wurde daraus nichts – das Buch machte ein anderer Grafiker.


    Geblieben ist trotzdem etwas viel Wertvolleres: eine über viele Jahre gewachsene künstlerische Verbindung.


    Hama ist nicht nur Künstler, sondern auch ein hervorragender Handwerker. Beim Ausbau meines Tiny House Studios half er tatkräftig mit – und ich bezahlte ihn dafür mit Geld, das ich damals eigentlich selbst nicht übrig hatte. Eine Erfahrung, die mir nebenbei eine ziemlich nachhaltige Erkenntnis bescherte: Von „Wurst für Wurst“-Geschäften bin ich seitdem kuriert.


    Unsere heutige Zusammenarbeit braucht solche Tauschrechnungen nicht.


    Hama arbeitet frei, unmittelbar und oft aus dem Moment heraus. Er bringt Bilder, Bewegungen, Räume und Material mit. Ich schaue und höre hinein und beginne, Verbindungen zu entdecken.


    Zu seinen freien Videoprojekten spiele ich intuitiv und freestyle Soundtracks ein. Bild und Musik werden dabei nicht nachträglich miteinander künstlich verklebt. Sie beginnen miteinander zu sprechen.


    Aus seinem Material entstand auf diese Weise auch eine kleine, eindringliche Dokumentation. Beim Schnitt ging es nicht darum, möglichst viel zu zeigen oder dem Material von außen eine Geschichte aufzuzwingen. Es ging darum, die Geschichte zu entdecken, die darin bereits verborgen war – und ihr Rhythmus, Verdichtung und Klang zu geben.


    Meine Rolle


    Nicht Auftragnehmerin.

    Nicht Dienstleisterin.

    Nicht einmal unbedingt Regisseurin.


    Eher: Resonanzpartnerin, Verdichterin und Wegbereiterin.


    Ich nehme vorhandenes Material ernst, höre auf seinen eigenen Rhythmus und verbinde Bild, Schnitt und Klang so lange miteinander, bis etwas Eigenständiges entsteht.


    Was diese Zusammenarbeit über meine Arbeit erzählt


    Ich muss eine Idee nicht selbst erfunden haben, um ihr eine Richtung geben zu können.


    Manchmal besteht meine eigentliche Arbeit darin, in etwas Vorhandenem das zu erkennen, was noch niemand deutlich sehen oder hören konnte – und genau das freizulegen.


    Aus Material wird eine Erzählung.

    Aus einzelnen Frames wird ein Rhythmus.

    Aus Zusammenarbeit wird Resonanz.